Norbert J. Wiegelmann

 

Geb. 1956 in Bochum, wohnhaft in Arnsberg, verheiratet, Vater zweier erwachsener Töchter. Verwaltungsjurist.

 

Buchveröffentlichungen:

 

„Tag des Zitronenfalters“, Kurzgeschichten, chiliverlag 2014

 

„Svens fantastische Reise“, ein Reiseführer der anderen Art, Elvea Verlag 2016.

 

Daneben Veröffentlichung von Lyrik und Kurzprosa in über sechzig Anthologien verschiedener Verlage sowie in Zeitungen und Zeitschriften. Reiseberichte in Zeitungen, davon zwei in der deutschsprachigen namibischen „Allgemeinen Zeitung“.

 

Glossen und Buchrezensionen in juristischen Fachzeitschriften. Außerdem Fotoveröffentlichungen in Büchern und Zeitungen. Diverse Rundfunkbeiträge, u.a. 1986 Live-Rundfunkgespräch in der WDR 3 – Kultursendung „Mosaik“ zum Thema: „Hauptsache, veröffentlicht. Merkwürdige Praktiken des Literaturbetriebs.“

 

Seit 2013 Mitglied in der Literarischen Gesellschaft Sauerland – Christine-Koch-Gesellschaft

und seit 2017 Mitglied im VS-NRW (VS=Verband deutscher Schriftsteller)

 

Auf Amazon findet man ihn hier

 

Neuerscheinung: TB "Andere Beziehungen: Bieder, bissig, bös, bigott - 41 Stories", (chiliverlag)

 

 


News: Ein bisher unveröffentlichtes Interview

Wir haben gedacht, es wäre doch schade, wenn niemand dieses wunderbare Interview aus dem Jahr 2016 je lesen könnte. Zurücklehnen, entspannen und los gehts: 

Lieber Herr Wiegelmann, ich habe jetzt mal ein bisschen bei Amazon und Google gestöbert, das Buch "Tag des Zitronenfalters" enhält Kurzgeschichten, wie kam es dazu, dass sie sich für diese Art von Texten entschieden haben und keinen "langatmigen" Roman geschrieben haben, sondern dafür mehrere kurze Texte?

 

 

 

Die Kurzgeschichten, die in „Tag des Zitronenfalters“ versammelt sind, habe ich nicht alle zielgerichtet in Hinblick auf eine Buchveröffentlichung geschrieben.  Sie sind eine Auswahl von Texten, die in den letzten Jahren entstanden waren und die sich unter das von mir selbst gewählte Motto des Buches „düstere Kurzgeschichten“ subsumieren ließen. 

 

Von daher stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Tag des Zitronenfalters“ ein Roman für mich gar nicht zur Debatte.

 

Bislang habe ich ausschließlich Lyrik und Kurzprosa verfasst – mit Ausnahme des Buches „Svens fantastische Reise – durch die Weiten Namibias“, das Anfang dieses Jahres erschienen ist und bei dem es sich um einen Jugendreiseroman handelt. Dieses Buch, basierend auf drei von mir in den Jahren 2007 bis 2009 unternommenen Urlaubsreisen nach Namibia, stellt aber eine singuläre Erscheinung in meinem bisherigen literarischen Schaffen dar.

 

Das Schreiben von Kurzprosa und Kurzgeschichten ist die mir gemäße Form des Schreibens und stellt für mich keine „mindere“ Form literarischer Tätigkeit oder eine bloße „Vorstufe“ für einen Roman dar. Was nicht ausschließt, dass ich mich irgendwann dieser Gattung zuwenden könnte. Zurzeit habe ich das aber nicht geplant. 

 

Weitere Frage sind, ob es auch autobiografische Elemente in den Geschichten gibt oder seit wann Sie schreiben und wie Sie Ihre Inspiration für die Geschichten finden...

 

 

 

Bei keiner meiner Geschichten handelt es sich um autobiografische Texte, was natürlich nicht heißt, dass es in der einen oder anderen Weise nicht auch autobiografische Elemente gibt.

 

Inspiration für meine Geschichten kann sich aus eigenen Erlebnissen, Empfindungen und Gedanken, aber auch aus Zeitungslektüre oder sonstigen mir zu Ohren gekommenen Themen ergeben.    

 

Ein Faible für Sprache, Bücher und das Schreiben besteht seit der Schulzeit. Mit neun Jahren habe ich erste Texte auf der Kinderseite in der Wochenendbeilage der Tageszeitung veröffentlicht. Somit lässt sich also mit Fug und Recht sagen, dass ich seit meiner Kindheit schreibe.

 

Allerdings bin ich kein „Vielschreiber“. Ich schreibe weder jeden Tag noch habe ich den Ehrgeiz, jedes Jahr ein neues Buch zu veröffentlichen. Von daher ist mein bisheriges Œuvre mit zwei „eigenen“ Büchern und ca. 70 Beiträgen in Anthologien in Anbetracht meines Alters – ich bin Jahrgang 1956 – durchaus überschaubar.

 

Hier meine weiteren Fragen: Sie selbst sagen über sich, dass sie kein Vielschreiber sind, haben sie trotzdem manchmal Probleme mit Schreibblockaden? Wenn ja, haben sie einen speziellen Weg damit umzugehen, um aus so einem Tief wieder heraus zu finden?

 

Es ist schon vorgekommen, dass ich etwas schreiben wollte, es aber nicht so wirklich „von der Hand ging“. Ob das eine Schreibblockade war, weiß ich nicht. Nach meinem Dafürhalten ist eine Schreibblockade etwas, das einen belastet, unter Umständen gar einen gewissen Leidensdruck erzeugt: Man möchte, aber man kann nicht. Wenn - wie in meinem Fall - keine vertraglichen oder sonstigen Notwendigkeiten regelmäßiges Schreiben erzwingen, sondern das Schreiben jeweils aus eigenem Antrieb und selbstbestimmt geschieht, ist eine Schreibblockade kein reales Problem. Zudem ist es der Vorteil von Kurzgeschichten, nicht auf Biegen und Brechen Seiten füllen zu müssen, eventuell sogar noch einen bestimmten Seitenumfang vorgegebenen zu haben. Bei der Arbeit an einem langen Manuskript, etwa einem Roman, ist das gegebenenfalls anders zu werten.

 

Wichtig für mich ist nicht die Menge meines schriftstellerischen „Output“, sondern die Sorgfalt, mit der ich einen Text verfasse. Wenn man sich auf manchen Autoren- oder Schreibforen umschaut, scheint es einige Leute zu geben, die „auf Teufel komm raus“ auf jeden Zug aufspringen, sich partout an jeder Ausschreibung beteiligen wollen. Dann wird auch mal auf die Schnelle irgendein Text zusammengeschustert. Das ist nicht der Anspruch, den ich beim Schreiben habe. 

 

 

 

Gibt es einen Lieblingsautoren für sie persönlich?

 

Ich habe immer schon viel gelesen, aber einen Lieblingsautor habe ich nicht. Prägend waren vielleicht die Kurzgeschichten von Hemingway in ihrer lakonischen Erzählweise, die Lyrik von Brecht, aber diese beiden Namen stehen nur stellvertretend für viele andere, die ich ebenfalls nennen könnte. Sartre, Camus und Freud habe ich in meiner Jugend auch sehr viel gelesen. Bei Freud wird mancher vielleicht erstaunt sagen, der war doch kein Literat. Stimmt, aber er war ein hervorragender Stilist. Die Erzählungen von Poe haben mich stark beeindruckt, wahrscheinlich auch beeinflusst. Ebenso die Erzählungen von Arthur Schnitzler. Ich denke, diese Namen, die mir jetzt spontan eingefallen sind, sollen ausreichen. Im Zusammenhang mit den Kurzgeschichten meines Buches „Tag des Zitronenfalters“ ist mir von Lesern häufig ein Name genannt worden, der gar nicht so sehr auf meiner Lektüreliste gestanden hat: Roald Dahl. Aber diese Nähe, falls sie denn vorhanden sein sollte, empfinde ich natürlich durchaus als schmeichelhaft.   

 

 

 

Welche Medien benutzen sie Ihrer Meinung nach, am häufigsten zur Recherche?

 

Für sachliche Recherchen hält sich der Gebrauch von Medien in Grenzen, zumindest bei den Kurzgeschichten. Am häufigsten nutze ich im Regelfall das Internet. Bei dem Namibia-Roman habe ich allerdings, außer meinen eigenen Reiseaufzeichnungen, sehr viel auf Lektüre zurückgegriffen; „Svens fantastische Reise“ enthält nämlich auch viele landeskundliche Fakten. Unverzichtbar, nicht zur Recherche eines Sujets, aber für einen sorgfältigen Umgang mit der Sprache, ist für mich der Duden, meistens – weil es am bequemsten ist – in Form von Duden online.

 

Welche Rolle spielt ihr Hobby, die Fotografie, in Hinblick auf ihre schriftstellerische Arbeit?

 

Eine direkte Verbindung gibt es nicht. Allerdings ist auch beim Fotografieren Ausdauer und Beobachtungsgabe gefragt, ähnlich wie beim Schreiben. Außerdem sind beide Tätigkeiten im Kreativbereich angesiedelt. In etlichen Anthologien, aber auch in meinen beiden „eigenen“ Büchern, sind Fotografien von mir enthalten. Dass ein Foto mich schon einmal zu einem Text inspiriert hätte, wäre mir im Moment nicht erinnerlich – aber vielleicht passiert das ja noch.

 

 

 

Haben sie einen Tipp für angehende Autoren, den sie selbst gern vorher gekannt hätten?

 

Nicht wirklich, was den zweiten Teil Ihrer Frage betrifft. Einen Tipp aber habe ich schon. Zuvörderst sollte ein (angehender) Autor sein Handwerkszeug beherrschen. Das ist nun mal die Sprache, einschließlich Grammatik und Rechtschreibung. Fehlerfrei ist niemand, aber ein solides sprachliches Rüstzeug gehört – meiner Meinung nach – unbedingt dazu. Sorgfältiges Arbeiten am Text ist ein weiteres Erfordernis. Was ich persönlich nicht unbedingt zielführend finde: Seine Texte in Schreibforen hin und her zu wenden, damit jeder seinen Senf dazu geben kann. Es mag sinnvoll sein, Testleser zu haben, aber wenn, dann ausgesuchte. Sich auf viele „Likes“ zu verlassen, gibt eher eine trügerische Sicherheit. Umgekehrt kann (unsachliche) Kritik im Netz kontraproduktiv sein. Die Frage ist doch: Wer äußert sich dort und mit welcher Kompetenz und Intention? Schließlich sollte sich jeder (angehende) Autor bewusst machen, dass er für seinen Text selbst die Verantwortung trägt.

 

 Eine gewisse Bescheidenheit kann auch nicht schaden: Man ist als Autor nicht schon deshalb „der Größte“, weil man irgendwo gedruckt ist. Selbstüberschätzung und eigenes Schulterklopfen bringen schon deshalb nichts, weil letztlich der Leser entscheidet. Und dafür ist Voraussetzung, erst einmal Leser zu finden. Und denen sollte man zumindest ein vernünftiges Produkt anbieten – was selbstverständlich nicht heißt, dass ein Text jedem gefallen muss. Er sollte nur nicht schon sprachlich mangelhaft sein. Erstrebenswert ist darüber hinaus, authentisch zu sein, nicht nur „so tun als ob“.

 

Schließlich: Wenn man gerne bei einem Verlag veröffentlichen will, sollte man darauf achten, an welchen Verlag man sich wendet. Möchte man nicht nur stolz darauf sein, sein eigenes Buch in den Händen zu halten, sondern als Autor ernst genommen werden, empfiehlt es sich dringend, nicht bei einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag zu publizieren. Und jeder Verlag erwartet ein gewisses Engagement des Autors, sei es in Form von Lesungen oder anderweitigen Aktivitäten. Sich zurücklehnen und den Verlag machen lassen, funktioniert nach meiner Erfahrung nicht.

 

 

 

Und zum Schluss: Sind noch weitere Bücher in Planung?

 

 

 

Ich habe bereits eine ausreichende Anzahl an Texten für einen zweiten Kurzgeschichtenband beisammen. Vielleicht wird der im Laufe des kommenden Jahres erscheinen.

 

Allerdings hat es auch seinen Reiz, in Anthologien zu veröffentlichen. Zwei Anthologien aus diesem Jahr möchte ich erwähnen. „Der Autorenstammtisch Band 2, Unheimliche Geschichten“, herausgegeben von Markus Kohler. In diesem opulenten und dicken Buch bin ich mit zwei Geschichten, einem Foto und einer Zeichnung vertreten. Und, ganz aktuell, „Licht in dunkler Nacht, Weihnachtsgeschichten“, herausgegeben vom Elvea Verlag. Bei dieser Veröffentlichung freut es mich besonders, dass zu meiner Weihnachtsgeschichte der bekannte Karikaturist, Cartoonist und Illustrator Thomas Plaßmann vier Illustrationen beigesteuert hat. 

 


AST-Autor der dritten Aprilwoche 2016

Seit März 2016 stellt Markus Kohler, von Markus Bücherkiste, immer eine Woche lang eine AST-Autorin/einen AST-Autor näher vor. 

 

Diesmal: Norbert J. Wiegelmann

 

Tag 1 für Norbert Wiegelmann (Norbert J. Wiegelmann)

Mit einem Interview, das "Fabelhafte Bücher" mit Norbert Wiegelmann führte möchte ich die Vorstellung beginnen. Hier werdet ihr einiges über unser Autorenstammtisch-Mitglied erfahren.

Norbert J. Wiegelmann: “Manchmal stellt es eine Gratwanderung dar, in die Untiefen seiner eigenen Persönlichkeit hinabzusteigen”
Interview mit Norbert J. Wiegelmann

Kurzbiografie
Norbert J. Wiegelmann, geb. 1956 in Bochum, wohnhaft in Arnsberg, verheiratet, Vater zweier erwachsener Töchter. Verwaltungsjurist. Ein Faible für Sprache, Bücher und das Schreiben seit der Schulzeit. Mit neun Jahren erste Texte auf der Kinderseite in der Wochenendbeilage der Tageszeitung. Literarische Veröffentlichungen (Lyrik, Kurzprosa): „Tag des Zitronenfalters“, Kurzgeschichten, chiliverlag 2014; Beiträge in über sechzig Anthologien verschiedener Verlage und Literaturzeitschriften.
(c) g.h.pictures
Außerdem Reiseberichte in der namibischen „Allgemeinen Zeitung“ sowie Glossen und Buchrezensionen in juristischen Fachzeitschriften.
Daneben Foto-veröffentlichungen in Büchern und Zeitungen. Diverse Rundfunkbeiträge, u.a. 1986 Live-Gespräch in der WDR3-Kultursendung „Mosaik“ zum Thema: „Hauptsache, veröffentlicht. Merkwürdige Praktiken des Literaturbetriebs.“
Seit 2013 Mitglied in der Christine-Koch-Gesellschaft (CKG), einer literarischen Gesellschaft zur Förderung der Literatur im südöstlichen Westfalen.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?
Da im letzten Jahr mein erstes „eigenes Buch“ – „Tag des Zitronenfalters“, 32 Kurzgeschichten, chiliverlag – erschienen ist, hatte ich noch nicht allzu viel Gelegenheit, über so etwas nachzudenken. Aber grundsätzlich sollte man sich über so etwas „keinen Kopf“ machen: Schließlich empfindet man ja auch sein eigenes Leben als einzigartig, ohne immer das Bewusstsein zu haben, „nur“ einer unter Milliarden zu sein. Will sagen: Man kann nur versuchen, das Beste aus und mit seinem Buch zu machen, ohne die erdrückende Menge der „Konkurrenz“ im Blick zu haben.
Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?
Da es diese Rankings gibt, muss man sie als Gegebenheiten hinnehmen. Das sehe ich relativ leidenschaftslos. Ich selbst orientiere mich nicht daran – hätte natürlich nichts dagegen, mit meinem Buch in einem solchen Ranking aufzutauchen.
Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?
Es gibt für mich kein Geheimrezept. Ich habe den Vorteil, das Schreiben vor dem soliden Hintergrund eines „Brotberufes“ auszuüben – von daher kann ich „Durchhänger“ also „aussitzen“.
Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?
An Lesungen zu kommen, ist für einen unbekannten Autor ohne ein entsprechendes Netzwerk bereits eine ziemliche Hürde und erfordert Engagement. Darüber hinaus sind meine Aktivitäten im Netz recht überschaubar: Ich bin auf facebook vertreten und habe eine Autorenseite bei amazon. Außerdem stehe ich auf den Autorenseiten einiger Verlage, bei denen ich schon Texte in Anthologien veröffentlicht habe. Nicht zu vergessen den chiliverlag, bei dem mein Kurzgeschichtenband erschienen ist und der natürlich ebenfalls eine Internetpräsenz hat. Daneben bin ich als Autor in online-Datenbanken wie NRW Literatur im Netz und LYRIKwelt erfasst.Offensichtlich gibt es aber schon so viele Spuren von mir im Netz, dass Sie mich dort gefunden haben.
Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?
Da ich ja auch noch kein „alter Hase“ im Buchgeschäft bin, steht es mir nicht an, großspurig Ratschläge zu erteilen. Wenn man bei einem Verlag veröffentlicht hat, sollte man auf jeden Fall den engen Schulterschluss mit dem Verlag suchen, denn – zumindest kleinere – Verlage erwarten, dass der Autor hinter seinem Buch steht und sich dafür einsetzt. Nur weil ein Buch auf dem Markt ist, wird nicht alles Weitere zum Selbstläufer.
Darüber hinaus sollte man schauen, welche Möglichkeiten es gibt, Öffentlichkeit herzustellen, sei es durch die örtliche oder regionale Presse, über einen lokalen Radiosender, durch Lesungen oder eben – mithilfe des Internet. Bei allem sollte eine gewisse Grundbescheidenheit nicht fehlen: Sich selbst als den künftigen Bestsellerautor anzupreisen, dürfte kaum die richtige Strategie sein.
Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?
Da ich in meinem fast neunundfünfzigjährigen Leben bereits eine Menge gelesen habe, fällt es mir nicht leicht, spontan Namen zu nennen. Etliche meiner Kurzgeschichten sind sicherlich von Edgar Allan Poe inspiriert. Auf dem Gebiet der Lyrik würde ich beispielsweise Bertolt Brecht, Erich Fried oder auch Karl Krolow nennen. Aber kein Autor ist für mich in dem Sinne „Vorbild“, dass ich ihm bewusst nacheifern würde. Vielmehr ist es so: Auf dem Humus der Literatur, die man im Laufe der Zeit schon gelesen hat, sollte im Idealfall ein eigener Schreibstil heranreifen.
Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?
Schwierige Frage. Ich stelle es mir nicht leicht vor, einen Rezensenten der von Ihnen genannten Feuilletons auf das Buch eines „Unbekannten“ aufmerksam zu machen. Möglicherweise müssten sich Kleinverlage zusammentun, um eine gemeinsame publizistische Plattform zu schaffen, die in den Feuilletonredaktionen zur Kenntnis genommen wird. Aber ich fürchte, dass ist mit den begrenzten finanziellen und personellen Mitteln kleiner Verlage kaum zu schaffen, zumal auch diese Verlage wahrscheinlich thematisch und vom Anspruch her zu heterogen sein dürften. Aber vielleicht gelingt es ja durch Plattformen wie Fabelhafte Bücher?
Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?
Wer ein Buch schreiben möchte, sollte sich zunächst sorgfältig mit seinem Manuskript beschäftigen. Mit sorgfältig meine ich auch – oder sogar vorrangig – sprachliche Sorgfalt. Denn für mein – vielleicht altertümliches – Verständnis von einem Schriftsteller steht als unumgängliches Handwerkszeug die Sprache im Vordergrund, nicht die Idee oder – neudeutsch – der Plot. Ausgedrückt in einem Bild: Für ein gutes Foto ist nicht entscheidend, welches Motiv fotografiert wird, sondern wie das Motiv fotografiert wird. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist kein Plädoyer für langweilige Literatur!
Wenn man ein fertiges Manuskript vorweisen kann und gerne bei einem Verlag veröffentlichen will, sollte man darauf achten, an welchen Verlag man sich wendet: Möchte man nicht nur stolz darauf sein, sein eigenes Buch in den Händen zu halten, sondern als Autor ernst genommen werden, empfiehlt es sich dringend, nicht bei einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag zu publizieren. Und ich bezweifle auch, dass es sehr hilfreich ist, sich auf allen möglichen Schreibforen die Meinung aller möglichen Leute einzuholen.
Wichtig ist natürlich ebenfalls, keine übertriebenen Erwartungen zu hegen. Wer mit seinem Buch (viel) Geld verdienen will, sollte Literaturagenten durch eine spektakuläre Aktion, z.B. eine ungewöhnliche eBay-Anzeige, auf sich aufmerksam zu machen versuchen. Ansonsten sollte das Geldverdienen nicht die (Haupt-)Motivation sein, sondern die Freude und Leidenschaft daran, mit Sprache kreativ umzugehen und sein fertiges Werk anderen Menschen zugänglich machen zu können.
Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?
Manchmal stellt es eine Gratwanderung dar, in die Untiefen seiner eigenen Persönlichkeit hinabzusteigen.
Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?
Wie ein Autor meiner Meinung nach mit diesem Thema umgehen soll, kann ich pauschal nicht sagen, weil es von der Intention abhängt: Will er provozieren, karikieren, bewusst überzeichnen? Oder will er lediglich eine scheinbar objektive historische Darstellung liefern? Man sollte sich auf jeden Fall klar darüber sein, dass das veröffentlichte Wort ein Eigenleben führt. Deswegen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit politischen Zuschreibungen aus meiner Sicht dringend geraten. Was das im Einzelnen bedeutet, muss jeder Autor jedoch für sich selbst entscheiden.
Keinesfalls ist es die Pflicht von Autoren, die sich politischen Themen widmen, ängstlich auf Political Correctness zu schielen.
Andererseits bleibt es jedem Autor unbenommen, von solchen Themenfeldern „die Finger zu lassen“. Auch ein Autor ist kein Mensch, der zu allem etwas sagen muss!
Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?
Da ich einen Beruf jenseits der Schriftstellerei habe, kann ich meinen Tag nicht auf das Schreiben hin strukturieren.
Eine Kurzgeschichte lässt sich zum Glück auch dann in einem angemessenen Zeitraum fertigstellen, wenn man nicht jeden Tag zum Schreiben kommt. Ähnliches gilt für ein Gedicht. Ich habe vor längerer Zeit an einem Roman gearbeitet. Da habe ich mich tatsächlich jeden Tag nach Feierabend für einige Stunden an das Manuskript gesetzt – einschließlich der Wochenenden.
Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?
Mein nächstes Buch wird jenes Manuskript, das ich in der vorigen Frage erwähnt habe. Hierbei handelt es sich um eine Reisebeschreibung durch Namibia in Romanform aus der Sicht von zwei Jungen. Voraussichtlich wird es in diesem Sommer erscheinen.
Ansonsten arbeite ich an weiteren Kurzgeschichten, damit mein erster Band mit Kurzgeschichten nicht mein letzter bleibt.
Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

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Morgen gibt es eine ausführliche Vorstellung von Norbert Wiegelmanns "Tag des Zitronenfalters", nachzulesen hier, wie auch die Folgetage.