Heike S. Rogg

 

Ich bin ein unruhiger Geist. Zu lange an einem Ort oder in einer Lebenssituation zu verharren, lähmt mich, ich brauche immer wieder Veränderung.

 

Nachdem ich mein Abitur in der Tasche hatte, stellt sich die Frage: Was nun? Nach zwei Semestern Betriebswirtschaft erkannte ich, dass der Großteil dieses Studiums aus Mathematik bestand, was für mich ein ewiges böhmisches Dorf bleiben wird. Also hieß es umdenken.

 

Ich entschied mich für Grundschullehramt und studierte dafür Germanistik und evangelische Religion. Mit viel Enthusiasmus ging ich nach dem ersten Staatsexamen ins Referendariat und – scheiterte kläglich. Zwar bestand ich die Prüfung, aber bei Weitem nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich konnte eben noch nie den Mund halten und das ist das erste, was man in dieser Zeit lernen sollte. Aber – ich kam einfach nicht zurecht mit den moderne Lehrformen, bei denen die Kindern im Prinzip lernen können, was sie wollen und leider war ich genau an einer solchen „modernen“ Schule gelandet. Da es Hessen zu der Zeit keine freien Lehrerstellen gab, landete ich vierhundert Kilometer entfernt im Saarland. Die ersten Jahre waren klasse. Kleine Klassen, man lehrte noch selbst und man galt als Lehrer noch etwas. Das änderte sich schlagartig, als die Regierung beschloss, großzügig Schulen zusammenzulegen. Da die Eltern massiv dagegen protestierten, gab es Versprechungen, die auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen wurden. Und da es eben sehr viel mehr potenzielle Wähler in der Elternschaft gibt, bekamen diese plötzlich in allen Belangen Recht und wir Lehrer standen regelmäßig als Deppen da. Hinzu kam, dass man auf einmal mit hohen Klassenstärken konfrontiert war, die oftmals aus noch aus Orten zusammengesetzt wurden, die sich seit Generationen spinnefeind sind. Nachdem einem dann noch, durch die Blume, unmissverständlich klargemacht wurde, welche Noten man geben sollte, ja nach Beruf der Eltern versteht sich, wehrte sich mein Unterbewusstsein massiv. Ich bekam Depressionen!

 

Leider kann man die nicht sehen, wie ein Gipsbein und man gilt schnell als fauler Lehrer. Dabei fehlt einem nur die Kraft, den Arbeitsalltag zu überstehen. Nachdem man mich eineinhalb Jahre völlig vergessen hatte, entschied sich das Kultusministerium irgendwann dafür, mich zu pensionieren. Und das mit 50 Jahren! Nachdem ich, die dadurch schlimmer gewordenen Depressionen, doch noch überwunden hatte, stellte sich die Frage, was tun? Nur dumm rumsitzen konnte nicht die Antwort sein. Also überlegte ich, was ich eigentlich mit meinem Leben und meiner Ausbildung noch anfangen könnte.

 

Da Lehrer aber außer für die Schule nicht allzu viel zu gebrauchen sind und als Beamte auch im Ruhestand nicht viel tun dürfen, fiel mir ein, dass ich doch mal Germanistik studiert hatte. Also begann ich zu schreiben. Da ein Teil meiner Depressionen zusätzlich auf ein Herzproblem, an dem man zwar nicht sterben kann, dass einen aber massiv einschränkt, zurückzuführen waren, hatte sich eine Angststörung gebildet, die es mir unmöglich machte, nachts allein zu Hause zu sein. Blöderweise war mein Mann Reisebusfahrer – mein Mann ist er immer noch, nur mittlerweile Rentner. Also gab es nur eine Möglichkeit, ich musste mitfahren.

 

So kam es, dass ich vier Jahre lang als eine Art ehrenamtliche Reiseleiterin durch Europa kutschiert wurde. Reiseleiterin bedeutete in diesem Fall ich erledigte all die Dinge, die mein Mann nicht so gern machte. Außerdem erzählte ich den Reisegruppen, was sie eigentlich draußen so sehen konnten. Durch diese Reisen und mein Germanistikstudium begann ich wirklich zu schreiben. Ich entwickelte meinen Protagonisten, den Busfahrer Hannes. Dieser fährt saarländische Reisegruppen durch Europa und natürlich passieren in seinem Bus Mord und Totschlag. Da er dabei oftmals in das Visier der Kripo gerät, versucht in typischer „Miss Marple-Manier“ den jeweiligen Fall selber zu lösen, was manchmal durchaus kuriose Züge annimmt. Da ich aber, wie gesagt, ein unruhiger Geist bin, blieb ich nicht allein bei meinen regionalen Reisekrimis, sondern schrieb außerdem biografische Romane, eine Liebesromanze, Reisegeschichten und ein Kochbuch.

 

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